Dieter Runkel blickt auf den WM-Titel in Eschenbach zurück

19 Jahre nach seinem Weltmeistertitel kehrt Dieter Runkel am Sonntag, 14. Dezember 2014, nach Eschenbach zurück. Als Ehrenstarter des Finalrennens der EKZ CrossTour wird Runkel an der Stätte seines grössten Erfolges, wo er 1995 Radquer-Weltmeister wurde, die Elite Athleten mit dem Startschuss in den Kampf um den Gesamtsieg schicken. Der 48-jährige Solothurner blickt auf seinen grössten Erfolg zurück!

„Ich war damals gerade als Strassenprofi zurückgekehrt – vom holländischen Team Word Perfect von Jan Raas zurück in den Quersport. Zwei Jahre lang hatte ich kein einziges Quer mehr bestritten, aber ich war überzeugt, dass ich schnell wieder an der Spitze würde mitfahren können. Carlo Lafranchi, der damalige Nationaltrainer, sagte immer: „Der Didi braucht drei Rennen – und dann siegt er wieder.“ Und so war es dann auch. Nach drei Wettkämpfen war ich zurück an der Spitze und gewann danach acht Quers in Folge. Damit rückte ich für die Heim-WM in Eschenbach in den Favoritenkreis. Und ich sagte es gleich jedem: „Ich werde Weltmeister.“

Die Aussage trug mir damals gehörig Kritik ein. Meine Kollegen mochten mich nicht besonders, hielten mich für einen Angeber, einen Wichtigtuer. Kurt Bürgi, mein damaliger Coach, meinte: „Du kannst ja ruhig daran glauben, dass du Weltmeister wirst. Aber sagen solltest du es nicht!“ Und viele andere dachten wohl: „Der Runkel ist ein arroganter Sack!“ (er lacht). In der Schweiz waren solch klare Ansagen damals verpönt. Einen Weltmeistertitel kündigten nur die Deutschen an. Aber ich bin ja ein halber Deutscher. Mein Vater stammt aus der DDR.

Wir hatten ein starkes Team in jener Zeit: Beat Wabel, Roger Honegger, Urs Markwalder und ich gehörten zu den Medaillenkandidaten, Beat Breu fuhr auch noch mit, Thomas Frischknecht war leider verletzt, sonst hätte er wohl ebenfalls vorne mitgemischt. Wir Schweizer waren an dieser Heim-WM also favorisiert. Entsprechend viele Zuschauer kamen, etwa 20 000, es war ein richtiges Volksfest, das Schweizer Fernsehen übertrug das Rennen live.

Ich musste aus der 4. Reihe starten, weil ich in jener Saison keine Weltcup-Rennen bestritt und in der Weltrangliste entsprechend weit hinten platziert war. Doch schon in der 2. Runde war ich vorne, zusammen mit Beat Wabel. Und in der 4. Runde lag ich dann schon allein an der Spitze. Ich habe mein Tempo voll durchgezogen und hatte stets noch Reserven auf die Nächstplatzierten, Beat Wabel und den Holländer Richard Groenendaal. Und in der letzten Runde konnte ich es so richtig geniessen, konnte mich vom Publikum feiern lassen – unvergesslich. Das waren emotionale Momente. Wie später bei der Siegerehrung, als Bundesrat Kaspar Villiger die Medaillen überreichte und die Nationalhymne ertönte – Hühnerhaut-Feeling.“

Vermerk: Dieser Artikel, aufgezeichnet von Mac Huber, ist im Magazin «Fit for Life», Ausgabe Oktober 2014, erschienen.

 

Was danach geschah: Seit Dieter Runkel ist kein Schweizer mehr Radquer-Weltmeister geworden. Runkel selber trat im Jahr 2000, im Alter von 34 Jahren, vom Spitzensport zurück und eröffnete in Neuendorf SO einen eigenen Stickerei-Betrieb, den er zusammen mit seiner Frau Christina heute noch führt. Mit dem Radquer steht er erst wieder enger in Verbindung, seit seine 15-jährige Tochter Michelle den regionalen Quer-Cup bestreitet. „Ich habe ihr auf diese Saison hin ein Quer-Velo gekauft“, erzählt Runkel vorfreudig, „jetzt fahren wir dann zusammen in der Hobby-Kategorie.“ Nebenher frönt Runkel dem Jassen, dem Jagen (letztes Jahr hat er das Patent erworben) und – sofern es die aufkommenden „Brästeli“ zulassen – dem Fussball (bei den Senioren des FC Härkingen). Auf den WM-Titel, aber auch auf den Sieg beim GP Tell und das Finishen der Tour de France, ist der Solothurner noch heute stolz, „vor allem deshalb, weil ich mir die Erfolge ehrlich verdient habe, ohne Dopingmittel.“ Sein Sohn Sämi (11) hat in der Schule darüber einen Vortrag gemacht.